Erfahrungen als Komparse bei Dreharbeiten für „Black Death“ mit Sean Bean

ZEHDENICK - Komparsen müssen funktionieren, wenn der Regisseur sie benötigt. Das ist nicht einfach, weil zwischen den Einsätzen manchmal Stunden liegen. Als Komparse lernt man aber schnell, den Kopf auszuschalten und Anweisungen auszuführen, auch wenn man das im normalen Leben anders praktiziert. Schon das Überstreifen des Filmkostüms sorgt für einen eigentümlichen Wandel der eigenen Persönlichkeit. Man ist plötzlich irgendwie ein anderer Mensch. Im Falle der Dreharbeiten zum Film „Black Death“, der in der vergangenen Woche in der Trottheide abgedreht wurde, war ich einer von vielen mittelalterlichen Dorfbewohnern, die dem Einfluss einer Hexe erlegen sind und der Pest widerstehen.

Unser Dorf ist der Set, der Drehort, an dem vor allem eines herrscht, heftiges Wuhling. Das entsteht immer dann, wenn die Kamera gerade nicht läuft und der Regisseur mit seinem Co-Regisseur diskutiert, die Kameracrew ihre Absprachen trifft, die Produzenten die Abläufe beobachten und viele weitere Mitarbeiter zur Stelle sind, die alle ihre Aufgabe haben. Bemerkenswert bei diesem Trubel ist die Ruhe, die die Hauptdarsteller bewahren. Sie wirken wie Beobachter eines Films, der außerhalb ihrer Rolle läuft und werden erst dann zu Teilnehmern, wenn es ihr eigenes Spiel betrifft.

Einen äußerst anstrengenden Drehtag hatte beispielsweise Sean Bean (Ritter Ulric), als er unter Folter seinem Glauben abschwören sollte. Stück für Stück wurde das Bild mit permanent anderen Kameraperspektiven eingespielt. Zwischen den Aufnahmen gab es immer wieder Diskussionen über die richtige Szenerie. Nur Sean Bean blieb völlig ruhig dabei, konzentrierte sich auf seine Rolle und zeigte sein grandioses Können, wenn die Kamera lief.

Für uns Komparsen war dieser Tag ebenfalls sehr anstrengend. Anders als sonst üblich, hatten wir rund um die Uhr in Aktion zu sein. Es war der letzte Einsatz für Sean Bean (Montag, 8. Juni), alle Bilder mit Ritter Uric, den er verkörpert, sollten am Abend im Kasten sein. Die erste Klappe fiel um 9.30 Uhr, die letzte gegen 20.15 Uhr. Wir als Dorfbewohner standen in unmittelbarer Nähe zum Ritter und zur Hexe Langiva (Carice van Houten) sowie Osmund, gespielt von Eddi Redmayne. Zwei Meter hinter Sean Bean war meine Position. Mit Verachtung sollten wir ihn ansehen, den Ritter, der das Geheimnis unseres Dorfes herausfinden sollte, dann aber von uns gefangen genommen wird.

Obwohl das Dasein eines Komparsen nicht sehr kreativ ist, sind die Drehmomente doch eindrucksvoll und das liegt unter anderem auch an Sean Bean. Voller Konzentration wartet er auf seinen Einsatz. Lässt das rege Treiben um ihn herum, wenn die Kamera nicht läuft, einfach von sich abtropfen und wirkt wie in sich gekehrt, zuweilen gar unbeteiligt. Mal bittet er seine persönliche Assistentin um einen Schluck Wasser, dann will er noch mal seinen Text durchlesen oder aber eine Zigarette rauchen. Wenn schließlich aber die Kamera läuft, ist er voll konzentriert, leistet sich keine Aussetzer und spielt einfach grandios. Plötzlich verwandelt sich das Ufer an der Trottheidegrube in eine Bühne, der Fokus ist auf eben diesen Ritter Ulric gerichtet, der mit unmenschlichen Schmerzen der Folter kämpft, seinem Glauben aber nicht abschwören will. Für mich als Komparsen sind diese Momente der Grund, warum ich dabei sein will. Es ist beeindruckend zu beobachten, wie Schauspieler von einem Augenblick zum nächsten in ihre Rollen schlüpfen. Ganz nebenbei ist man plötzlich aber auch mittendrin, in dieser anderen Welt, gehört zu diesem Mittelalterdorf – eigenartige Momente, in denen sich die Zeit verschiebt.

Dieses Dabeisein ist interessant und schwierig zugleich. Interessant aus den genannten Gründen. Schwierig, weil sich die persönliche Sicht auf das Filmgeschehen verändert. Den Streifen „Black Death“ werde ich nun mit anderen Augen sehen. Ich war ja dabei, als einige Szenen gedreht wurden. Trotzdem werde ich wohl im Kino genauso fasziniert sein wie bei anderen Filmen. Denn das ganze Drumherum des Drehorts wird dann nicht zu sehen sein, dann erscheint nur noch das komprimierte Produkt dieser Dreharbeiten, ein Film, der den Zuschauer in eine andere Welt entführt. (Von Andreas Röhl)

16 June 2009
Source of this article : Märkische Algemeine